Hartnäckig weiter fließt die Zeit

Posted: 30. Oktober 2011 in Tagebuch

Nachdem ich letzte Woche ziemlich viel unterwegs war, habe ich nun die kommende Woche Reading Week. Das heißt, ich Uni-Veranstaltungen finden nicht statt. Mir wird Zeit zur Recherche für meine Essays gegeben. Ich weiß, dieser Blogeintrag hat lange auf sich warten lassen, aber mir ist kein Unheil wiederfahren, bloß Stress. Ich verspreche, morgen kommt schon der Nächste! Zur Illustration habe ich einige im Stadtzentrum von Birmingham aufgenommene Fotos ausgewählt.

Letzte Woche habe ich einige Zeit mit Esther verbracht. Wir verstehen uns wahrhaftig gut, weil wir beide Menschen sind, die Gedanken zu Ende denken und sich nicht von Oberflächlichkeiten täuschen lassen. Sie hat mir allerdings etwas voraus. Ich bin zwar auf der geistigen und emotionalen Ebene gesund und womöglich sogar recht fit, aber mir fehlt ein physischer Ausgleich. Das heißt, ich müsste endlich eine Sportart konsequent betreiben, um meine Persönlichkeit noch weiter abzurunden. Meine liebe Mutter hat mir zwar immer genau diesen Rat gegeben, aber ich vermute, man(n) lässt sich so etwas lieber von einer Person empfehlen, bei der familiäre Voreingenommenheit ausgeschlossen werden kann.

Nachdem mir über eine Woche lang sämtliche Muskeln weh getan haben, habe ich den einzig vernünftigen Schluss daraus gezogen: Nämlich, dass es nicht der richtige Sport für mich ist. Große und eher kräftig gebaute Menschen wie ich sind zwar von Natur aus stark, aber gleichzeitig auch ein bisschen träge, weil sie mehr Masse bewegen müssen. Kleinere Menschen haben es daher in Kampfsportarten einen Vorteil, nicht umsonst sind Legenden wie Bruce Lee und Jackie Chan nur etwa 1,70m groß. Ich werde stattdessen öfter Schwimmen gehen und mich vielleicht dem Ruderclub anschließen.
Am Mittwoch war ich bei Esther zum Filmabend mit Lisa und einigen Englishen Buddies. Wir haben die deutschen Filmklassiker “Die Austernprinzessin” und “Dr. Caligari“, sowie ein paar Film-Clips von Helge Schneider, Loriot und Heinz Erhardt geschaut. Den Engländern hat es offenbar gefallen, auch wenn insbesondere die beiden Stummfilme aus dem Jahre 1919 selbst für heutige Gemüter noch leicht verstörend wirken aufgrund der extrem übertriebener Gestik und Mimik der Akteure sowie der psychodelisch anmutenden Kulissen. Aber es sind nichtsdestotrotz sehr gute Filme, deren Anschauen sich definitiv lohnt.

Wie üblich war ich am Donnerstag nach meinen drei Seminaren mit Esther eine große Flasche Cider trinken und ein Paar grüne Schuhe anzuziehen, um den Anbruch des Wochenendes zu feiern und um warm zu werden für den Abend im The Soak Pub. Da das Wetter draußen ekelhaft war, gingen wir hinein in die Bar der Studentengilde, um dort nach je einem Glas heimlich unsere Gläser immer wieder nachzufüllen. Wir unterhielten uns sehr gut und ich bekam von ihr die im zweiten Absatz erwähnten Tipps. Nachher im Pub war die Stimmung sehr fröhlich, zumindest nachdem wir nach langen und heftigen Territorialkämpfen endlich einen Tisch erobert hatten. Soweit ich mich erinnern kann, gab es gute Gespräche und gute Musik, wobei der Höhepunkt des Abends der Auftritt von Amanda als Sängerin war, begleitet vom ebenfalls singenden Pub-Manager an der Gitarre und einem Violinisten. Der Tiefpunkt des Abends kam, als ich draußen vor dem Pub stand, das Gleichgewicht verlor und stürzte, wobei ich mir die Hüfte leicht geprellt haben muss. Auch nicht schön waren die über alle Maßen betrunkenen Briten mit Verkehrsleitkegeln auf dem Kopf, von denen einer sich auf die Bühne erbrochen hat, während ein anderer irgendwann auf die denkbar spektakulärste Weise die Treppe zum Klo im Obergeschoss hinuntergefallen ist. Glücklicherweise kam es zu keinen ernsthafen Verletzungen. In Britischen Pubs ist solches Verhalten, wie auch das extrem penetrante, doch gleichsam plumpe Anbaggern von Frauen ganz üblich.

Fünfter Videoblog

Posted: 22. Oktober 2011 in Tagebuch
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Schaurige Ereignisse

Posted: 18. Oktober 2011 in Tagebuch
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Zum Konzert von Noah and the Wale habe ich wunderbare Bilder von Lisa bekommen, von denen ich ein besonders schönes an dieser Stelle mit ihrer freundlichen Genehmigung veröffentliche. Deutlich zu erkennen ist der Geiger der Band. Er ist vermutlich der Grund dafür, warum man die Band zum Genre des Folk-Rock zählt.

Gestern Nachmittag traf ich mich mit meinem Language-Buddy Jack im Pub in der Studentengilde. Wir unterhielten uns gut und versuchten uns gemeinsam an einer Übersetzung für meinen “Advanced German Translation”-Kurs, was erstaunlich gut klappte. Danach traf ich noch eine Kommilitonin aus dem selben Kurs, die ebenfalls mit zwei Freundinnen im Pub war. Sie wollten etwa eine halbe Stunde später bei einer “Ghost Bus Tour” durch Birmingham mitmachen. Ich hatte schon vorher in Erwägung gezogen, mir ein Ticket zu besorgen, tat es aber nicht, weil ich mich doch noch recht erschöpft vom Kung Fu Training fühlte und zudem nicht viele Bekannte dort erwartete. Doch dann überlegte ich es mir spontan anders und ging in letzter Minute zum Bus, wo ich mit unverschämtem Glück das allerletzte Ticket ergatterte. Zwei meiner deutschen Freundinnen waren auch mit dabei.

Vor mir stand ein schöner, roter, vollbesetzter Doppeldecker-Bus mit abgeflextem Dach. Ich stieg ein und schon ging es los. Vorne rechts auf dem luftigen Oberdeck saß ein altmodisch gekleideter Mann mit Zylinder. Er erzählte auf der Fahrt angeblich “gut dokumentierte” Geistergeschichten. Beispielsweise hatte seine Frau eines Morgens auf der Pub-Toilette eine Erscheinung der gruseligen Art. Der Führer erzählte jedoch auch einige interessante historische Fakten über die Stadt. Spannender war eigentlich das Stadtpanorama selbst, denn der Busfahrer machte eine schöne Runde, welche die meisten Sehenswürdigkeiten Birminghams beinhaltete.

An drei Orten durften wir aussteigen und wurden zu einer Sarg-Manufaktur sowie zu zwei Friedhöfen geführt. Dort wurden weitere zu den jeweiligen gruseligen Plätzen passende Geistergeschichten erzählt. Erstaunlicherweise ließen sich per Kamera tatsächlich einige Aufnahmen von mysteriösen Lichtspiegelungen und Nebelschwaden machen, welche mit bloßem Auge nicht erkennbar waren. Aber seht und entscheidet selbst, ob es sich dabei wirklich um gespenstische Phänomene handelt oder nicht. ;-)

Wirklich erschreckt habe ich mich am gestrigen Abend das erste Mal als ich nach der Bustour im strömenden Regen nach Hause kam. Auf der Straße direkt vor Antheas Haus stand ein Notarztwagen mit eingeschalteter Warnblinkanlage. Sofort stürmte ich ans Wohnzimmerfenster, aus dem Licht schimmerte. Dort sah ich Anthea aufrecht sitzen und ein Sanitäter war an ihrer Seite. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Als ich durch die Wohnungstür stürmte, erwarteten mich zwischen Küche und Wohnzimmer überall Blutstropfen auf dem Parkettboden. Anthea hatte unvorsichtigerweise versucht, einen Beute mit spitzen Scherben aus dem Mülleimer zu ziehen und sich dabei ganz böse geschnitten. Der Notarzt hatte sie provisorisch versorgt, nahm sie dann aber doch mit ins Krankenhaus zum Nähen der Wunde. Ich putzte derweil die Blutflecken weg, machte aber entgegen der Empfehlung des Notarztes keine spontane Sturmfrei-Party. Anthea kam tatsächlich erst um fünf Uhr morgens zurück.

Als ich heute Morgen nach unten in die Küche ging, saßen dort Anthea und eine schottische Freundin von ihr. Wir unterhielten uns über ein Theaterstück der christlichen Gemeinde, in dem es um eine tiefgläubige holländische Familie zur Nazizeit geht, die Juden versteckt hat. Vielleicht gehe ich auch mal hin, könnte interessant werden. Der Text, den ich zusammen mit Jack übersetzt habe, handelte übrigens von einem ähnlichen Thema und zwar von deutschen Frauen, die Bekannte an die Gestapo denunziert haben.

Später ging es an die Uni zu einem kurzen Interview mit dem Leiter des Tandem-Projekts und einem weiteren Mädel aus unserer deutschen Clique, in dem unsere Englischkenntnisse überprüft werden sollten. Mit ihr ging ich auch noch einen Kaffee trinken und dann war auch schon Zeit fürs Abendbrot, oder “Tea” wie man hier sagt. Dazu hatte Anthea drei Waisenkinder eingeladen, die zeitweise zusammen mit ihren Söhnen aufgewachsen sind. Naja, Kinder trifft es nicht ganz, es waren drei britische Herren Mitte 40. Nette Jungs waren das, alle im sozialen Bereich tätig und alle überzeugte Christen und politisch konservativ. Habe mich gut mit ihnen unterhalten. Das Essen war auch super. Anthea hat für mich extra eine vegetarische Hackfleisch-Pfanne gemacht. Ja, das war meine Woche bisher.

Vlog (4)

Posted: 16. Oktober 2011 in Tagebuch
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My Best Of British Music (60s)

Posted: 14. Oktober 2011 in Tagebuch
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Willkommen zu diesem kleinen Exkurs zur britischen Rockmusik. Ich bin ein großer Freund von Gitarrenmusik und möchte eine kleine Auswahl meiner Favoriten an dieser Stelle ein wenig popularisieren. Ich habe versucht, über alle Maßen bekannte Bands wegzulassen. Das heißt, in meinem 60er-Best-Of tauchen weder Beatles, noch Stones, Led Zeppelin oder Pink Floyd auf, obwohl das freilich Sünde ist, weil diese Bands alle ziemlich toll sind. Aber Selektion war geboten und  ich habe mich für diese Vorgehensweise entschieden, die ich auch bei etwaigen Fortsetzungen beibehalten mag. Ich hoffe, die Songs gefallen und sind auch in Deutschland trotz GEMA verfügbar. Falls nicht, bitte Bescheid sagen. Auch würde ich gern erfahren, ob Interesse an der Fortführung dieser Reihe besteht. Also dann, genug der Vorrede, los geht’s!

5. Fleetwood Mac. Wahre Hippie-Musik. Ein junger Youtube-Kommentator: “I’m a sperm cell swimming around in my dad’s testes and I think this song kicks ass.”

4. The Who. Schrieben “Behind Blue Eyes”, was vor nicht allzulanger Zeit recht erfolgreich von Limp Bizkit neu eingespielt wurde. Für Jack Black “the greatest band of all time”.

3. Yardbirds. Eric Claptons, Jeff Becks und Jimmy Pages erste Band. Alle drei sind unter den Top 15 der 100 besten Gitarristen der Welt laut dem Rolling Stone Magazine.

2. The Kinks. Mochte ich schon immer lieber als die Beatles. Sie rocken wie die Hölle für eine Band aus den 60ern.

1. King Crimson. Neben Pink Floyd und Yes Mitbegründer des Progressive Rock, der Elemente klassischer Musik mit abgefahren Rockrythmen und psychodelischen Elementen vereint.

Pläne und Transformationen

Posted: 12. Oktober 2011 in Tagebuch
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Heute bin ich mal wieder in Schreibstimmung. Das Wetter ist kühler und nasser geworden, aber ich gehe trotzdem gerne vor die Tür. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, regelmäßig Spazieren zu gehen und mit dem Fahrrad zu fahren. Öffentliche Verkehrsmittel benutze ich so gut wie gar nicht, außer bei großen Distanzen wie ins Zentrum der Stadt.

Am Montag war ich nicht bei meinen Atheisten-Freunden, sondern habe mich mit den deutschen Mädels getroffen, mit denen ich schon oft etwas unternommen habe. Wir haben einige neue gemeinsame Ausflüge geplant. Neben dem Konzert diesen Freitag, werden wir am letzten Oktober-Wochenende zu einem Fußballspiel im Stadion, an dem auch eine B’hamer Mannschaft teilnimmt und für einen Tag nach Manchester. Hoffentlich ist diesmal auf Megabus Verlass – das letzte Mal, als ich in Bristol war, ist der Bus für die Rückreise einfach nicht gekommen und ich musste fast 50 Pfund für den Zug bezahlen. Aber diesmal bin ich wenigstens im Team unterwegs – da kann nicht so viel schief gehen.

Gestern war ich mit der EUROBRUM-Society, die internationale Studenten vernetzt, bei einem Curry-Abend im Sundarbon Tandoori Restaurant. Jenes Restaurant wirbt damit, dass einst eine Girlgroup die Köche zum Catering für ein Konzert in London per Hubschrauber für einige tausend Pfund eingefliegen ließ. Mit über 70 Studenten war das Restaurant vollkommen ausgebucht. Man konnte sich nicht großartig bewegen, weil die Tische so eng aneinander standen. Immerhin war erlaubt, eigene Getränke mitbringen zu dürfen, weil die Kellner allein mit dem Bringen von Speisen beinahe überfordert waren. Schließlich gab es ein Pub-Quiz, bei dem unter anderem heraus kam, dass der Uhrturm der Uni Birmingham mit knapp über 100m der höchste auf der ganzen Welt ist. Mein deutscher Mitstreiter Simon und ich kamen bis in die Endrunde, versagten aber an der Frage, wie die Vornamen des Organisationsteams lauteten. Das Essen war in Ordnung, auch wenn ein Student aus Pakistan meinte, die pakistanische Küche sei um ein Vielfaches besser…

Heute schließlich habe ich mich zum ersten Mal mit Iain, meinem englischen Tandem-Partner getroffen. Er hatte mir eine E-Mail geschrieben und meinte, wir könnten uns doch einmal treffen, um miteinander zu spielen. Spielen? Nein, er meinte Reden. Dabei hat er sich bloß vertan, denn ihm war der Unterschied zwischen den beiden Worten durchaus bewusst. Obwohl er erst seit einem Jahr Deutsch lernt, ist seine Aussprache viel besser als die sämtlicher Schüler, die ich seinerzeit in Dudley hatte. Schließlich hatte ich heute einen eher drögen Geschichts-Kurs, der sich auf einem sehr grundlegenden Level abspielt, aber immerhin ein paar Fakten über die englische Geschichte auffrischt.

Nun zum letzten Punkt für heute. Ich möchte nochmal über mein Verhältnis zu Anthea reden. Wir kommen insgesamt gut miteinander aus. Ich genieße manchmal durchaus, dass es sehr ruhig und geduldsam zugeht in Antheas Haus. Es muss nicht immer Party sein. In spiritueller Hinsicht werden wir gewiss nie auf einen gemeisamen Nenner kommen. Sie würde mich wahrscheinlich aus dem Haus jagen, wenn sie wüsste, dass ich mich mit weltlichem Humanismus identifiziere, den ihre Radioprediger regelmäßig für Teufelszeug erklären. Überhaupt ist Anthea überzeugt, dass die Macht des Teufels über die Welt immer größer wird – ein deutliches Zeichen für die baldige Wiederkunft Christi und das Ende aller Tage. Höchste Zeit also, mit zu Antheas Bibelkreis zu kommen… oder?

Vlog, die Dritte

Posted: 10. Oktober 2011 in Tagebuch
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