Endlich bin ich dazu gekommen, einem meiner einstmals liebsten Hobbies zu frönen – dem besten Spiel der Welt, genannt Go. Jeden Samstag trifft sich die Birminghamer Go-Gruppe, zu deren Gründungsmitgliedern ich gehöre. Vor meinem Aufenthalt in Dudley vor zwei Jahren gab es gar keinen Go-Club hier, aber mittlweile sind neue einige neue Leute dazu gestoßen, deren Fotos ich hier freundlicherweise veröffentlichen darf. Als Teenager habe ich mich hin und wieder schlecht dafür gefühlt, so ein Spiel für Nerds zum Hobby zu haben, dessen westliche Meister fast ausnahmslos schlacksige, bebrillte Informatiker sind. Aber mittlerweile bin ich stolz darauf. Es ist kein Spiel für Nerds, es ist eine Kunst. Es ist wie Schach eine elegante Denksportart, die analytisches Denken fördert, sowie zu nervlicher und spiritueller Ausgeglichenheit verhilft. Wer in Birmingham wohnt und es gerne einmal ausprobieren mag, möge sich bei mir melden.
Letzte Woche war ich wie jede Woche auf der einen oder anderen Party. Ein Freund namens Simon hat in seiner Wohnheim-WG Geburtstag gefeiert. Dies war essenziell eine Fresher’s-Party, das heißt: junge Erstis rasten vollkommen aus, spielen absurde oder gar perverse Trinkspiele, bis niemand mehr ordentlich laufen kann. Dabei werden unerträglich abartige Getränke aus Vodka, Bier, Cider und Brausepulver gemixt, die in einem Zug ausgetrunken werden müssen, während die ganze Partygesellschaft ein anheizendes Lied singt. Mir hat die Party trotzdem gut gefallen und ich habe dort eine Studentin aus Singapur und einen bayrischen Studenten kennengelernt, die sogar zu meinem Filmabend am vergangenen Freitag gekommen sind.
Zu besagtem Filmabend bei Anthea und mir zu Hause im Wohnzimmer lud ich zudem die deutsche Clique, mit der ich meistens unterwegs bin, sowie unsere Sprach-Partner ein. Es sollte ein deutscher Film- und Kulturabend werden. Und welcher Film eignet sich besser dazu als ein Film über asoziale Holländer, die sich in Jackass- bzw. Little-Britain-Mainier eine auf politisch inkorrekte Weise witzige Odyssee erleben und sich dabei selbst mit starkem holländischen Akzent synchronisieren? Ich rede freilich von New Kids Turbo! (Ein Trailer lässt sich hier bestaunen.) Der Film war so erfolgreich, dass im März nächstes Jahr eine Fortsetzung in die Kinos kommt. Trotz leichter technischer Probleme wurde die soziale Aktivität allgemein positiv aufgenommen, wie auch meine Rohkost-Platte, welche ich dazu servierte. Meine leichte Paprika-Obsession, welche ich mir hier in England angewöhnt habe – und die von Anthea kräftig unterstützt wird – musste einmal mehr ausgelebt werden
Zwei Tage vor meinem Geburtstag gab es auch ein wunderbares Feuerwerk in der “Vale”-Studentensiedlung. Dort lernte ich eine Chinesin kennen, die sich verlaufen hatte. Sie fand ihre Freunde nicht mehr und in der Menschenmenge funktionierte ihr rosafarbenes Handy auch nicht. Also unterhielten wir uns ein bisschen und verabreten uns wenig später zum Mittagessen in der Studentengilde. Wir haben uns ganz gut verstanden und sie ist recht hübsch, aber sie ist auch sehr schüchtern. Ich habe sie zum Go-Spielen am letzten Samstag eingeladen, aber ich dachte mir schon, dass sie nicht kommen würde, wenn ich sie nicht noch einmal einladen würde. Nichtsdestotrotz war ich am Samstag nachmittags beim Go-Club im Starbucks im Convention Centre und habe wie auch schon am Samstag zuvor sehr spannende Partien gespielt und unter anderem gegen einen nominell stärkeren Asiaten (3. Meistergrad) gewonnen.

Am Samstagabend war ich mit Lisa und zwei anderen freundlichen Personen auf einem Konzert und DJ-Set mit Carl Barât, dem Sänger und Gitarristen der Libertines und Dirty Pretty Things. Mir hat vorallem die punkige Schrammelband The Bombergs gefallen, die im Vorprogramm gespielt hat. Aber auch die zweite Band und die Musikauswahl vom guten Carl war nicht übel, obwohl ich mit seinen Bands bisher nicht viel anfangen konnte. Die Location (“Rainbow Warehouse”) war auch super, gruselig dekoriert für die “Zombie Prom” genannte Veranstaltung und mit leicht psychodelisch angehauchten Bildern an der Wand. Eines davon lässt sich neben dem zweiten Absatz dieses Textes bestaunen.
Hallo Thomas,
das viele Paprika-Gemüse scheint Dir gut zu bekommen… in Deinem letzten Video sahst Du richtig gesund aus! Und das nach all der Feierei…so etwas fällt der Mutter natürlich gleich auf.
Dein Leben in England scheint ja diesmal um ein Vielfaches abwechslungsreicher zu sein als beim letzten Mal…schön! Vielleicht trägt das ja auch zum gesunden Aussehen bei. Denn, wie ich ja immer so betone: Körper, Geist und Seele sollten in Harmonie funktionieren. Scheint momentan zu klappen bei Dir
Liebste Grüße
Mama