Nachdem ich letzte Woche ziemlich viel unterwegs war, habe ich nun die kommende Woche Reading Week. Das heißt, ich Uni-Veranstaltungen finden nicht statt. Mir wird Zeit zur Recherche für meine Essays gegeben. Ich weiß, dieser Blogeintrag hat lange auf sich warten lassen, aber mir ist kein Unheil wiederfahren, bloß Stress. Ich verspreche, morgen kommt schon der Nächste! Zur Illustration habe ich einige im Stadtzentrum von Birmingham aufgenommene Fotos ausgewählt.
Letzte Woche habe ich einige Zeit mit Esther verbracht. Wir verstehen uns wahrhaftig gut, weil wir beide Menschen sind, die Gedanken zu Ende denken und sich nicht von Oberflächlichkeiten täuschen lassen. Sie hat mir allerdings etwas voraus. Ich bin zwar auf der geistigen und emotionalen Ebene gesund und womöglich sogar recht fit, aber mir fehlt ein physischer Ausgleich. Das heißt, ich müsste endlich eine Sportart konsequent betreiben, um meine Persönlichkeit noch weiter abzurunden. Meine liebe Mutter hat mir zwar immer genau diesen Rat gegeben, aber ich vermute, man(n) lässt sich so etwas lieber von einer Person empfehlen, bei der familiäre Voreingenommenheit ausgeschlossen werden kann.
Nachdem mir über eine Woche lang sämtliche Muskeln weh getan haben, habe ich den einzig vernünftigen Schluss daraus gezogen: Nämlich, dass es nicht der richtige Sport für mich ist. Große und eher kräftig gebaute Menschen wie ich sind zwar von Natur aus stark, aber gleichzeitig auch ein bisschen träge, weil sie mehr Masse bewegen müssen. Kleinere Menschen haben es daher in Kampfsportarten einen Vorteil, nicht umsonst sind Legenden wie Bruce Lee und Jackie Chan nur etwa 1,70m groß. Ich werde stattdessen öfter Schwimmen gehen und mich vielleicht dem Ruderclub anschließen.
Am Mittwoch war ich bei Esther zum Filmabend mit Lisa und einigen Englishen Buddies. Wir haben die deutschen Filmklassiker “Die Austernprinzessin” und “Dr. Caligari“, sowie ein paar Film-Clips von Helge Schneider, Loriot und Heinz Erhardt geschaut. Den Engländern hat es offenbar gefallen, auch wenn insbesondere die beiden Stummfilme aus dem Jahre 1919 selbst für heutige Gemüter noch leicht verstörend wirken aufgrund der extrem übertriebener Gestik und Mimik der Akteure sowie der psychodelisch anmutenden Kulissen. Aber es sind nichtsdestotrotz sehr gute Filme, deren Anschauen sich definitiv lohnt.
Wie üblich war ich am Donnerstag nach meinen drei Seminaren mit Esther eine große Flasche Cider trinken und ein Paar grüne Schuhe anzuziehen, um den Anbruch des Wochenendes zu feiern und um warm zu werden für den Abend im The Soak Pub. Da das Wetter draußen ekelhaft war, gingen wir hinein in die Bar der Studentengilde, um dort nach je einem Glas heimlich unsere Gläser immer wieder nachzufüllen. Wir unterhielten uns sehr gut und ich bekam von ihr die im zweiten Absatz erwähnten Tipps. Nachher im Pub war die Stimmung sehr fröhlich, zumindest nachdem wir nach langen und heftigen Territorialkämpfen endlich einen Tisch erobert hatten. Soweit ich mich erinnern kann, gab es gute Gespräche und gute Musik, wobei der Höhepunkt des Abends der Auftritt von Amanda als Sängerin war, begleitet vom ebenfalls singenden Pub-Manager an der Gitarre und einem Violinisten. Der Tiefpunkt des Abends kam, als ich draußen vor dem Pub stand, das Gleichgewicht verlor und stürzte, wobei ich mir die Hüfte leicht geprellt haben muss. Auch nicht schön waren die über alle Maßen betrunkenen Briten mit Verkehrsleitkegeln auf dem Kopf, von denen einer sich auf die Bühne erbrochen hat, während ein anderer irgendwann auf die denkbar spektakulärste Weise die Treppe zum Klo im Obergeschoss hinuntergefallen ist. Glücklicherweise kam es zu keinen ernsthafen Verletzungen. In Britischen Pubs ist solches Verhalten, wie auch das extrem penetrante, doch gleichsam plumpe Anbaggern von Frauen ganz üblich.