Zum Konzert von Noah and the Wale habe ich wunderbare Bilder von Lisa bekommen, von denen ich ein besonders schönes an dieser Stelle mit ihrer freundlichen Genehmigung veröffentliche. Deutlich zu erkennen ist der Geiger der Band. Er ist vermutlich der Grund dafür, warum man die Band zum Genre des Folk-Rock zählt.
Gestern Nachmittag traf ich mich mit meinem Language-Buddy Jack im Pub in der Studentengilde. Wir unterhielten uns gut und versuchten uns gemeinsam an einer Übersetzung für meinen “Advanced German Translation”-Kurs, was erstaunlich gut klappte. Danach traf ich noch eine Kommilitonin aus dem selben Kurs, die ebenfalls mit zwei Freundinnen im Pub war. Sie wollten etwa eine halbe Stunde später bei einer “Ghost Bus Tour” durch Birmingham mitmachen. Ich hatte schon vorher in Erwägung gezogen, mir ein Ticket zu besorgen, tat es aber nicht, weil ich mich doch noch recht erschöpft vom Kung Fu Training fühlte und zudem nicht viele Bekannte dort erwartete. Doch dann überlegte ich es mir spontan anders und ging in letzter Minute zum Bus, wo ich mit unverschämtem Glück das allerletzte Ticket ergatterte. Zwei meiner deutschen Freundinnen waren auch mit dabei.
Vor mir stand ein schöner, roter, vollbesetzter Doppeldecker-Bus mit abgeflextem Dach. Ich stieg ein und schon ging es los. Vorne rechts auf dem luftigen Oberdeck saß ein altmodisch gekleideter Mann mit Zylinder. Er erzählte auf der Fahrt angeblich “gut dokumentierte” Geistergeschichten. Beispielsweise hatte seine Frau eines Morgens auf der Pub-Toilette eine Erscheinung der gruseligen Art. Der Führer erzählte jedoch auch einige interessante historische Fakten über die Stadt. Spannender war eigentlich das Stadtpanorama selbst, denn der Busfahrer machte eine schöne Runde, welche die meisten Sehenswürdigkeiten Birminghams beinhaltete.
An drei Orten durften wir aussteigen und wurden zu einer Sarg-Manufaktur sowie zu zwei Friedhöfen geführt. Dort wurden weitere zu den jeweiligen gruseligen Plätzen passende Geistergeschichten erzählt. Erstaunlicherweise ließen sich per Kamera tatsächlich einige Aufnahmen von mysteriösen Lichtspiegelungen und Nebelschwaden machen, welche mit bloßem Auge nicht erkennbar waren. Aber seht und entscheidet selbst, ob es sich dabei wirklich um gespenstische Phänomene handelt oder nicht.
Wirklich erschreckt habe ich mich am gestrigen Abend das erste Mal als ich nach der Bustour im strömenden Regen nach Hause kam. Auf der Straße direkt vor Antheas Haus stand ein Notarztwagen mit eingeschalteter Warnblinkanlage. Sofort stürmte ich ans Wohnzimmerfenster, aus dem Licht schimmerte. Dort sah ich Anthea aufrecht sitzen und ein Sanitäter war an ihrer Seite. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Als ich durch die Wohnungstür stürmte, erwarteten mich zwischen Küche und Wohnzimmer überall Blutstropfen auf dem Parkettboden. Anthea hatte unvorsichtigerweise versucht, einen Beute mit spitzen Scherben aus dem Mülleimer zu ziehen und sich dabei ganz böse geschnitten. Der Notarzt hatte sie provisorisch versorgt, nahm sie dann aber doch mit ins Krankenhaus zum Nähen der Wunde. Ich putzte derweil die Blutflecken weg, machte aber entgegen der Empfehlung des Notarztes keine spontane Sturmfrei-Party. Anthea kam tatsächlich erst um fünf Uhr morgens zurück.
Als ich heute Morgen nach unten in die Küche ging, saßen dort Anthea und eine schottische Freundin von ihr. Wir unterhielten uns über ein Theaterstück der christlichen Gemeinde, in dem es um eine tiefgläubige holländische Familie zur Nazizeit geht, die Juden versteckt hat. Vielleicht gehe ich auch mal hin, könnte interessant werden. Der Text, den ich zusammen mit Jack übersetzt habe, handelte übrigens von einem ähnlichen Thema und zwar von deutschen Frauen, die Bekannte an die Gestapo denunziert haben.
Später ging es an die Uni zu einem kurzen Interview mit dem Leiter des Tandem-Projekts und einem weiteren Mädel aus unserer deutschen Clique, in dem unsere Englischkenntnisse überprüft werden sollten. Mit ihr ging ich auch noch einen Kaffee trinken und dann war auch schon Zeit fürs Abendbrot, oder “Tea” wie man hier sagt. Dazu hatte Anthea drei Waisenkinder eingeladen, die zeitweise zusammen mit ihren Söhnen aufgewachsen sind. Naja, Kinder trifft es nicht ganz, es waren drei britische Herren Mitte 40. Nette Jungs waren das, alle im sozialen Bereich tätig und alle überzeugte Christen und politisch konservativ. Habe mich gut mit ihnen unterhalten. Das Essen war auch super. Anthea hat für mich extra eine vegetarische Hackfleisch-Pfanne gemacht. Ja, das war meine Woche bisher.